Denkwürdiger QR3

Der 3. Renntag in der Qualifikationsrunde war gezeichnet vom Schwund! Das erste Rennen sollte um 19:00 Uhr starten und ich hab mich aus Barmbek um 16:45 auf den Weg gemacht. Über die Elbbrücken wäre da schon die schlechtere Wahl, weil die A1 ein einziger Stau war. Letztes Mal hatte ich anderthalb Stunden gebraucht.
Also war ich schlau und fuhr quer über St. Pauli nach Othmarschen, um da ganz vorn vor dem Elb-Tunnel auf die A7 zu kommen. Das war leider noch schlimmer: als ich schon direkt über der A7 auf der Einfädelung zur Auffahrt stand, war der Tunnel komplett gesperrt Richtung Süden, alles stand dort auf 4 Spuren und sämtliche roten Lichter blinkten.

Lange Rede, kurzer Sinn: mit viel Umgehungsgeschick und im Schweinsgalopp auf dem Teil südlich des Tunnels bin ich eben noch 5 Minuten vorm Start in Bispingen angekommen. Aber ich war nicht der Einzige, der im Verkehr stecken blieb. Der Start des 1. Rennens wurde deshalb etwas hinausgezögert und wir starteten erst gegen halb acht. Und das Feld bestand aus mageren 6 Karts, weil Holborn-Bleifrei nur mit einem Fahrer antreten konnte und auch bei Airbus-4 nur 2 Leute da waren.

Die ersten 3 Rennen wurden gegen den Uhrzeigersinn gefahren und die letzten beiden dann wieder im normalen Modus. So konnten die Teams der Gruppen A und B beide Varianten fahren. Die weiteren Rennen nach dem sehr dünnen ersten waren dann aber auch nicht mehr voll besetzt. Einige haben im Mega-Stau einfach aufgegeben und sind wieder nach Hause gefahren, weil sie es eh nicht mehr rechtzeitig geschafft hätten. Konnte nicht jeder wissen, daß wir die Starts hinausgezögert haben, soweit es noch ging. Hier muss ich auch mal die Betreiber-Mannschaft loben: die geplante Verzögerung am Anfang und die üblichen aufgesammelten Verzögerungszeiten zwischen den 5 Rennen führten schließlich dazu, daß das letzte Feld dann erst um 22:20 Uhr abgewunken wurde. Das heißt auch für die Jungs an der Strecke und die Mädels im Bistro ist es ein langer Abend geworden.

Ein Wort noch zum heißesten Fight des Abends mit dem größten Diskussionsstoff: im 2. Rennen trafen Alt-Meister Andreas Aßhoff und Youngster Jan Glaue aufeinander. Jan hatte den Düsenjäger des Abends erhalten und Andreas ein nicht so ganz performantes Arbeitsgerät. Ich habe das ganze Rennen über die beiden beobachtet und war voll des Lobes für die faire Fahrweise von Jan, der hinter Andreas gestartet war, aber eindeutig schneller hätte fahren können. Andreas hat natürlich seine ganze Erfahrung und Cleverness aufgeboten, um vor Jan zu bleiben. Der raufte sich ein ums andere Mal die Haare (wenn da nicht der Helm gewesen wäre), aber in jeder Ecke vermied er jeden Kontakt und fuhr immer haarscharf hinter ihm her. Das ging über 20 Minuten so. Mittlerweile waren auch schon weitere Fahrer auf die beiden aufgeschlossen, weil dieses enge Fighten natürlich keine Bestzeiten zuließ. Einige Male hatte Jan dabei Angriffe gestartet und war neben Andreas gekommen, aber der wusste genau, wo er auf welcher Linie bleiben musste, um in der nächsten Kurve doch die bessere Lage zu haben.

3 Runden vor Schluß hat Jan dann eine Lücke auf der Innenseite gesehen und ist dort reingestochen. War allerdings zu knapp, sodaß die Tür direkt Anfangs des Knicks von Andreas zugemacht wurde. Jan hatte innen nicht mehr genug Platz und touchierte die Bande, wurde abgeprallt und gab dadurch dem Kart von Andreas einen kräftigen Schlag auf die hintere Seite. Dieser Schlag hatte ausreichend Energie, daß Andreas einen 180-Grad Dreher nicht mehr vermeiden konnte. Zack – waren mit Jan gleich 3 weitere aufgeschlossene Gegner mit an ihm vorbei. Nach dem Zieleinlauf, der nur noch 2 Runden entfernt war, kam Andreas dann auch mit einer entsprechenden Krawatte an die Box. Jan war das sehr unangenehm und das hat man ihm abgenommen. Er entschuldigte sich bei Andreas und die beiden hatten sich als Sportsmänner natürlich gleich wieder vertragen. Aber mit dem Ergebnis war Andreas nicht einverstanden.

Die Rennleitung wurde angerufen und musste eine Entscheidung über diesen Unfall treffen. Es gab lange Diskussionen und auch Beratungen mit anderen erfahrenen Fahrern und den Leuten, die das Geschehen wie ich live gesehen hatten. Am Ende (und damit konnte auch Jan leben und zeigte sich einsichtig) wurde Jan für die Verursachung des Drehers hinter Andreas zurückversetzt. Dabei blieben aber die anderen mit durchgerutschten Fahrer unbestraft, sodaß Jan von 3 auf 7 zurückfiel und Andreas noch einen Platz von 7 auf 6 nach vorn kam. Für das Team-Ergebnis hatte dies keinen Einfluss mehr: die TeleAsse waren ohnehin weit vorn und auch Telefonica-2 (Jans Team) konnte noch knapp den 2. Platz gegen SKF-2 verteidigen.

Die Ergebnisse der Rennen könnt ihr wie gewohnt in diesem Teil der Sprintcup-Seite nachlesen.

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